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Anschreiben schreiben: Aufbau, Beispiele und was Recruiter wirklich lesen

DIN 5008-konformes Anschreiben mit Aufbau, Beispiel-Formulierungen und der ehrlichen Wahrheit darüber, wie viel HR davon wirklich liest.

8. April 2026 · 9 Min. Lesezeit

Was ein gutes Anschreiben leistet

Das Anschreiben ist der einzige Teil deiner Bewerbung, in dem du in eigenen Worten erklärst, warum du auf genau diese Stelle bei genau diesem Unternehmen passt. Standardfloskeln verschwenden diesen einzigen Pluspunkt.

Aufbau nach DIN 5008

  1. Absenderzeile oben (Name, Adresse, Kontakt) — eine Zeile reicht im modernen Format.
  2. Empfänger (Unternehmen, ggf. Ansprechpartner, Anschrift).
  3. Datum rechtsbündig.
  4. Betreffzeile — Bewerbung als [Position] / Referenznummer.
  5. Anrede — möglichst persönlich. "Sehr geehrte Damen und Herren" ist Notlösung.
  6. Einleitung (1-2 Sätze) — KEIN "Hiermit bewerbe ich mich…". Steig konkret ein.
  7. Hauptteil (1-2 Absätze) — verknüpft deine Erfahrung mit den Anforderungen der Stelle.
  8. Schluss — Verfügbarkeit, ggf. Gehaltsvorstellung (nur wenn explizit erfragt), Aufforderung zum Gespräch.
  9. "Mit freundlichen Grüßen" + Unterschrift + getippter Name.
  10. "Anlagen:" + Liste.

Die ehrliche Wahrheit über Recruiter-Aufmerksamkeit

Studien zeigen: HR-Profis verbringen im Schnitt 30-60 Sekunden mit einem Anschreiben. Was sie suchen:

  • Zeile 1-3 — passt der Einstieg zur Stelle, oder ist es ein Generic-Brief?
  • Hauptteil — gibt es konkrete Erfolge oder nur Aufgabenbeschreibungen?
  • Tonalität — wirkt das authentisch oder per ChatGPT-Template?

Wenn die ersten drei Sätze nicht überzeugen, lesen viele Recruiter nicht weiter. Investiere unverhältnismäßig viel Zeit in den Einstieg.

Beispiel: Schlechter Einstieg

"Hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als Software Engineer in Ihrem Unternehmen. Mit großem Interesse habe ich die Stellenausschreibung gelesen und möchte mich gerne bei Ihnen vorstellen."

Sagt nichts. Würde auf jede beliebige Stelle bei jedem beliebigen Unternehmen passen.

Beispiel: Guter Einstieg

"Als Backend Engineer mit fünf Jahren Python/Django-Erfahrung und einem Fokus auf horizontale Skalierung passt Ihre Stellenausschreibung exakt zu meinem aktuellen Profil — insbesondere die geplante Migration auf Kubernetes, an der ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber gerade aktiv beteiligt bin."

Spezifisch. Belegbar. Zeigt sofort, dass die Person die Stelle gelesen und verstanden hat.

Verbotene Formulierungen

  • "Hiermit bewerbe ich mich..."
  • "Durch meine Fachkenntnisse..."
  • "Mit großem Interesse..."
  • "Ich bin überzeugt davon, dass..."
  • "Maßgeblich mitwirken"

Diese Floskeln signalisieren: ich habe einen Generic-Brief verschickt.

Länge

250-450 Wörter. Eine Seite. Mehr lesen Recruiter nicht. Weniger wirkt unfertig.

Tonalität

Banken, Versicherungen, öffentlicher Dienst → klassisch-formal. Tech-Firmen, Startups, Beratungen → moderner Ton, weniger Floskeln, direkterer Stil.

Bei Stellenschmiede kannst du die Tonalität pro Anschreiben wählen — formal, modern oder Startup-locker. Der KI-Generator passt Wortwahl und Satzbau entsprechend an.

Gehaltsvorstellung — wann erwähnen?

NUR wenn die Stellenausschreibung es explizit verlangt ("Bitte nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellung"). Sonst: nicht erwähnen. Das wird im Vorstellungsgespräch verhandelt.

Wenn doch: Bandbreite angeben (z.B. "65.000-72.000 EUR"), nicht eine Punktzahl.